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Döggelchenvirus

 

Der Hundevirus ist heute in allen Menschen  genetisch integriert, wobei es jedoch nicht bei jedem Menschen zur Infektion  kommt. Bei vielen Menschen liegt der Virus latent und wird erst aktiv bei einer  erneuten Infektion. Wie alle Viren, ist auch der Hundevirus über die Zeit hinweg  mutiert.

Eine besonders seltene Variation des  Hundevirus ist der Döggelchenvirus. Er wird ausschließlich von der Deutschen  Dogge übertragen und ist unheilbar.

Da infizierte Menschen darauf bestehen, ihre  Döggelchen zu jeder Zeit mit an die Öffentlichkeit zu nehmen und damit  unschuldige Mitmenschen wissentlich dem gefährlichen Virus aussetzen, hat die  EU-Kommission jetzt darauf bestanden an Doggenhalsbändern und Leinen den  nachfolgenden Warnhinweis nach ISO 9000 anzubringen:

 

ACHTUNG DOGGE!

Höchste Infektionsgefahr!

Ansehen, Streicheln, Füttern oder gar  Spielen fährt mit Höchstwahrscheinlichkeit zur Infektion mit dem unheilbaren  Döggelchenvirus!

 Man kann sich mit dem Döggelchenvirus auf  die verschiedensten Arten infizieren. Manchmal ist es genug, dass ein Mensch  irgendwo in seinem Leben einer Dogge begegnet ist und sie streicheln durfte oder  sie vielleicht nur gesehen hat.

Es ist sogar bekannt, dass sich Menschen  infizierten, die über Doggen gelesen haben. Als besonders gefährliche Lektüre  wird da das Buch von Paul Eiper " Die gelbe Dogge Senta " eingestuft. Dieses Buch  gehört schon seit Jahrzehnten zum verbotenen Doggen Index und hat unzählige  Menschen infiziert. Bei Menschen, die auf diese Weise infiziert wurden, ist die  Inkubationszeit meist ein bisschen länger.

Der Virus vermehrt sich unbemerkt weiter im  Wirt, bis dieser sich ertappt immer öfter über die Anschaffung einer Dogge nach  zu denken und davon träumt, eine zu besitzen. Letztendlich erliegt der Mensch  seiner Infektion und ein Döggelchen kommt ins Haus.

 Hat der Mensch Kinder zu Hause, werden  diese sofort, nachhaltig und unverantwortlich mitinfiziert. Kinder, die mit  Doggen aufwachsen, sind lebenslänglich von der Infektion betroffen und werden  auch im Erwachsenalter immer Doggen besitzen. Werden Kinder in die Beziehung  Mensch-Dogge geboren, wird der Virus von der Mutter direkt auf das ungeborene  Kind übertragen. Man erkennt diese doggengeschädigten Babys daran, dass sie  freudig quietschend mit ihrer Dogge auf einer Decke liegen und mit ihr um die  Wette sabbern.

 Manche Blitzinfektionen werden auch  schlagartig akut indem, sagen wir mal ein Doggenwelpe hinter einem  Autobahn-Klo-Häuschen lauert und sich dann dort von einem nichts ahnenden Menschen  aufnehmen lässt.

Egal, wie der Mensch infiziert wurde, der  Krankheitsverlauf ist derselbe. Man kann ihn in drei Phasen unterteilen:

 Erste Phase:

In der ersten Phase ist der Mensch noch  recht arglos. Er ist in dem festen Glauben, dass er einen, wenn auch recht  großen, aber sonst ganz normalen Hund besitzt. Die meisten Menschen, die eine  Dogge besitzen, haben schon eine weniger gefährliche Infektion mit dem  Hundevirus. Das heißt, sie haben wahrscheinlich schon andere Hunde vorher  besessen. Zuerst stützen sich diese unschuldigen Menschen auf ihre vorherige  Erfahrung mit Hunden und versuchen ihr Döggelchen genauso zu erziehen, wie sie  es mit anderen Hunden tun würden.

 Und dann machen Sie den ersten großen  Fehler! Sie kaufen sich spezielle Lektüre über Doggenhaltung und Erziehung.  Diese gefährliche Lektüre ist wie Wasser auf der Mühle für den Döggelchenvirus.  Wird doch in ihr immer wieder dem Besitzer eingeschärft wie besonders seine  Dogge ist, wie empfindlich, sensitiv und sanft. Es wird einem nachhaltig  eingeimpft, dass man eine Dogge auf keinen Fall kränken darf und jeder Tadel ihr  das Herz bricht. Dieses führt dazu, dass der Mensch ein verzücktes Lächeln um  den Mund hat, wenn das kleine Monsterdöggelchen des Menschen Lieblingsturnschuhe  frisst und der Mensch ihm diese mit liebevollem Tadel: „Aus, mein Schatz, das  Gummi bekommt dir doch nicht;“ entwendet. Und damit das kleine Döggelchen nicht  beleidigt ist und einen bleibenden seelischen Schaden erleidet, wird der  Tennisschuh sofort durch ein leckeres Schweineohr ersetzt.

 Auch wird in dieser Lektüre auto-suggeriert,  dass der natürliche Ruheplatz einer Dogge auf dem Sofa und im Bett ist. Die  Lektüre ist überfüllt von Fotos von ach-so-süßen Doggen-, die königlich auf  Sofas drapiert sind. Da man ja alles richtig machen will, wird dem Döggelchen  sofort ein Platz auf dem Sofa und im Bett gemacht. Und da es ja da noch nicht  alleine hoch kommt und man die so empfindlichen Knochen im Wachstum schonen  möchte, wird es auch noch auf das Sofa gehoben. Das Döggelchen weiß instinktiv,  dass sein Mensch jetzt den ersten Schritt seines Werdegangs als Doggenbesitzer  gemacht hat. Jedes Mal, wenn es der Ruhe bedarf, stellt es sich vor dem Sofa auf  und sieht den Mensch mit leidenden Augen an. Reagiert dieser nicht sofort, kommt  ein jämmerliches Winseln dazu, bis der Mensch gerannt kommt, um sein Döggelchen  aufs Sofa zu heben. Diese prompte Konditionierung wird auch sofort vom  Döggelchen mit einem Kuss belohnt.

 In den folgenden Wochen bemüht sich das  Döggelchen eifrig seinen Menschen weiter zu erziehen. Da das Ziel der Dogge eine  vollständige Symbiose mit dem Menschen ist, versucht sie den Menschen so oft wie  möglich um sich zu haben und verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Oft zeigt das  Döggelchen heftige Reaktionen auf jede Art der körperlichen Trennung von seinem  Menschen. Der Mensch, der arme Tropf, fühlt sich auch noch geschmeichelt, wie  sehr ihn doch sein Doggenbaby braucht und gibt meistens klein bei indem er seine  Lebensgewohnheiten so umstellt, dass das Döggelchen fast immer in seiner Nähe  ist. Unwillkürlich floriert der Döggelchenvirus auf so reichem Nährboden.  Typische Syntome für die Vermehrung des Virus sind die Folgenden:

• Der Mensch ist fast nie ohne sein  Döggelchen zusehen.

• Jedes Gespräch mit diesem Menschen führt  unweigerlich zum Thema „Doggen“.

• Der Mensch fängt an den Tag in  Doggeneinheiten zu messen: Fresszeit, Spaziergang, Spiel- und Ruhezeit und  arrangiert seine anderen Verpflichtungen um diesen Stundenplan herum, sodass das  sensitive seelische Gleichgewicht seines Döggelchens nicht gestört wird.

• Verwandte und Freunde versuchen  verzweifelt Zugang zu dem Menschen zu bekommen und finden heraus, dass sie nur  noch seine Aufmerksamkeit erregen, wenn sie ihn fragen, wie es seinem Döggelchen  geht.

• Der Mensch kann von dem Thema Doggen nicht  genug bekommen, denn so mehr er sich damit beschäftigt, desto mehr möchte er  nichts anderes mehr tun. Da sein bisheriges soziales Umfeld meist nichts mit  Doggen zu tun hat und wahrscheinlich schon sehr von dem veränderten Verhalten  des Menschen genervt ist, sucht der sich jetzt unverstanden gefühlte Mensch nach  Gleichgesinnten.

Und so tritt die Infektion ganz unbemerkt  die zweite Phase.

 Zweite Phase:

 In dieser Phase fängt der Mensch an  intensiv zu recherchieren. Immer mehr Doggenlektüre wird gekauft, die Webseiten  anderer Doggenbesitzer werden durchwühlt, und letztendlich tritt der jetzt schon  stark infizierte Mensch in einen Doggenklub ein.

 Unter dem Vorwand das Döggelchen artgerecht  zu erziehen, denn „wer möchte den schon so einen Riesenhund, der nicht  gehorcht“, macht sich der Döggelchenbesitzer im Dienste der Menschheit auf einen  Doggenklub in seiner Umgebung zu finden. Endlich fühlt er sich zu Hause. Anfangs  trifft er sich einmal die Woche mit anderen Doggenbesitzern, um sich nach Lust  und Laune im Thema Dogge zu suhlen. Aber dieses Stadium ist eines der  Gefährlichsten, da auch das Döggelchen jetzt Kontakt zu seinen Artgenossen hat.  Diese erfahrenen Menschentrainer bringen dem Doggenbaby jetzt alles bei, was es  wissen muss für die Erziehung seines Menschen. Auch hat die hier geballte  Existenz des Döggelchenvirus weitere schwerwiegende Folgen für unseren Menschen.  Die meisten Doggenklubs werden frequentiert und geleitet von Menschen, die sich  schon in der dritten Phase, dem Endstadium dieser Infektion befinden. Daher wird  jetzt unser Mensch angehalten und animiert neuen Nährboden für seinen Virus zu  generieren.

 Nach dem allgemeinen Training üblich in  solchen Gruppen, in denen der Mensch lernt Schritt zu halten mit seinem  Döggelchen, werden auch Agilityübungen abgehalten. Diese werden durchgeführt, um  dem Döggelchen zu helfen, die Hindernisse und Schikanen des menschlichen  Haushalts zu überwinden. Hat der nichts denkende Mensch zum Beispiel seine  Lieblingskekse außer Reichweite des Döggelchens auf den Küchenschrank gestellt,  wird im Agility geübt, wie das Döggelchen auf einen Tisch springen kann. Dieses  wird dann auch prompt von dem cleveren Döggelchen im Haushalt umgesetzt, um doch  noch an die Kekse zu kommen.

 Auch wird oft bei diesen Übungsstunden ein  Ringtraining angesetzt. Dort lernt das Döggelchen sich vorteilhaft im  Ausstellungsring zu präsentieren. Dieses hat zwei Nutzen für die Dogge. Der  erste ist, dass der eitle Doggenbesitzer jetzt meint, er müsse mit dem  Döggelchen Ausstellungen besuchen. Was wieder herum die Vermehrung des Virus  begünstigt, da zwar in einer Übungsstunde die geballte Kraft von 7 – 12 Doggen  sich vereint, aber bei einer Ausstellung bis zu über 100 Doggen zusammen kommen.  Was ein wahrhaft katalytischer Event für den Döggelchenvirus ist. Wehe den  unschuldigen uninfizierten Menschen, die sich in eine solche Doggenschau  verirren. Zweitens kommt das Döggelchen jetzt endlich weiter herum. Der arme  Mensch fährt jetzt, Sklave seines Döggelchens, fast jedes Wochenende stundenlang  in andere Städte zu Ausstellungen, bei denen sich das Döggelchen in Länge mit  seinen Artgenossen über die internationale Strategie den Virus möglichst  weltweit zu verbreiten, beraten kann.

 Zusätzlich werden dem armen Menschen  Seminare und Lehrgänge empfohlen, in denen er lernt die Sprache seines  Döggelchens besser zu verstehen. Es kann recht mühselig sein für ein Döggelchen  seinen Menschen zu erziehen und die Lehrgänge helfen dem Döggelchen sehr die  sonst etwas sturen und schwerfälligen Menschen zu seinen Bedürfnissen zu  sensibilisieren. Es ist doch immer schön zu sehen, wenn ein Döggelchenbesitzer  es gemeistert hat seinem Döggelchen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Über die Übungsstunden hinaus werden  Treffen, Ausflüge und Ferien in der Gruppe gefördert, um auch den Menschen den  letzten Rest Döggelchen-freie-Zeit abzugewöhnen. Wenn das Anfangs noch etwas  zögernd geht, ist alsbald der Doggenbesitzer voll in die Gruppe integriert. Er  nimmt brav an jedem Treffen teil und beteiligt sich auch in Webforen, schreibt  für die örtliche Klubzeitung und zum Schluss organisiert er auch noch die  Treffen selber.

 Der Virus hat jetzt seine volle  Ansteckungskraft erreicht. Der Döggelchenbesitzer fängt an seine Familie und  Freunde zu infizieren. Da wird aus einer Dogge, eine verwöhntes Enkeldöggelchen,  Freunde werden Paten des Döggelchen, Familienalben werden nur noch mit  Döggelchenfotos gefüllt. Arme kranke Kinder bezeichnen die Dogge als ihr  Geschwisterdöggelchen und Nachbarn möchten auch so schnell wie möglich sich ein  Döggelchen anschaffen.

 Unbewusst hilft der Döggelchenbesitzer dem  Döggelchen den Virus zu verbreiten. Aber um zur Phase 3 zu gelangen, müssen wir  noch einen Schritt weiter.

 Dritte Phase/Endstadium:

 Im Endstadium der Infektion ist die  Symbiose zwischen Mensch und Döggelchen gänzlich vollzogen. Der Wille des  Döggelchens ist jetzt auch der Wille des Menschen. Eine Trennung der Beiden ist  lebensbedrohlich für beide Partien und sollte sie dennoch durch widrige Umstände  erfolgen, muss für den zurückgeblieben Teil der Symbiose sofort ein neuer  Partner gefunden werden. Oft bekommt das Döggelchen in diesem Stadium der  Infektion Hilfe von einem zweiten Döggelchen im Haus. Und das neue Döggelchen  teamfähig wie es ist, baut nahtlos auf der Vorarbeit des anderen Döggelchen auf.

 Der Mensch beginnt dem Döggelchenvirus  aktiv und wissentlich bei dessen Verbreitung zu helfen. Oft fängt dieses recht  harmlos mit der Erstellung einer Webseite an. Der Mensch reiht sich in die  Tätigkeit der Öffentlichkeitsarbeit ein und übernimmt seinen Part in der  Verteilung des Virus, in dem er viele süße Bilder seiner Döggelchen postet und  lustige Berichte online stellt. Grundsätzlich wird jedem Besucher der Webseite  klar, was er an Lebensfreude und Glück verpasst, sollte er kein Döggelchen sein  Eigen nennen.

Schlussendlich ist der Mensch komplett  verdöggelt und hat das Bedürfnis dem Döggelchen selber die Vermehrung zu  ermöglichen. Er wird Züchter und schließt sich den weltweit organisierten  Döggelchenzuchtverbände an. Diese haben es sich zum Endziel gemacht bis 2030  genug Döggelchen zu züchten, dass jedes neugeborene Menschenkind auf der Welt  mit dem Erhalt einer Geburtsurkunde auch ein Döggelchen bekommt, um die Symbiose  natürlicher und vor allem selbstverständlicher für die Döggelchen zu gestalten.

 

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